The Soul of Drum&Bass: Marcus Intalex ist tot

Foto: Andrew Gerrand (Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.5 License)

Persönlich bin ich ihm nie begegnet, und ich habe ihn tatsächlich in all den Jahren kein einziges Mal live bei einem DJ-Auftritt erlebt. Obwohl sein Sound immer genau mein Ding war und er zu „Basslastic“-Zeiten auf unserem Booking-Wunschzettel ja durchaus immer ganz weit oben stand. Irgendwie kam es halt leider nie dazu. Aber trotzdem war Marcus Intalex bei jeder Party – spätestens so ungefähr ab der Jahrtausendwende – mit dabei. Auf Vinyl, in Form seiner eigenen Produktionen und der unzähligen Klassiker aus der Schmiede seines Premium-Labels „Soul:R“, die aus unseren Plattenkisten gar nicht mehr wegzudenken waren.

Da, wo Marcus Intalex oder eines seiner Pseudonyme und Projektnamen, von M.I.S.T. über Mist:i:cal bis hin zu seinem Techno-Alias Trevino, drauf stand, war Qualität drin. Zeitlose Qualität. Soul:R-Platten sortierte man niemals aus, man stellte sie höchstens mal vorübergehend ins Archiv, um sie allesamt irgendwann wieder neu zu entdecken. „My Soul“, „Outerspace“, „Lover“, „Sunshine“, „Wide Eyes“, die „Midnight“-, „LK“-, „Born to Die“- und Wasweißichnoch-Remixes … Ohne Marcus Intalex, seine Tracks und sein Label aus der traditionellen englischen Rave-Brutstätte Manchester wäre Drum & Bass um so viele Perlen und – Nomen est omen – um jede Menge Soul ärmer.

In den frühen Nuller-Jahren mischte er den Liquid Funk auf, sorgte mit locker-flockigen Ohrwürmern für sonnige Vibes auf den Tanzflächen und fixte damit so manchen begeisterten Quereinsteiger mit Drum&Bass erst an. Doch auch später war er mit seinen minimalistischer werdenden Tracks immer ganz vorne mit dabei. Bei Soul:R war der Lack nie ab. Man verfing sich niemals im Hype um das nächste große Ding, sondern blieb stets Triebfeder eines erwachsenen und im besten Sinne deepen Drum&Bass: musikalisch, unaufgeregt, ernsthaft, klar, frisch und oftmals brillant. Mal sphärisch-elektroid daher kommend, ohne Scheu über den Tellerrand rüber nach Detroit schielend, mal als knochentrockene Roller mit strammen Beats, einem Amen-Break oder mit Reggae-Flavour: Marcus Intalex beherrschte mit großer Eleganz und einem guten Gespür für Sounds und Stimmungen die ganze Drum&Bass-Klaviatur. Seine Tracks funktionieren im Wohnzimmer und auf dem Dancefloor gleichermaßen – und das mit Stil und ganz ohne einen auf dicke Hose zu machen.

Er war kein schillerndes Gesicht des Genres wie Goldie, aber vielleicht so etwas wie seine musikalische Seele, zumindest aber eine seiner Ikonen. Am vergangenen Wochenende ist der Produzent, DJ und Labelmacher Marcus Kaye alias Marcus Intalex gestorben.

Sommer vorbei, Reclaim the Beats da

Erste Party nach der Sommerpause! Oder auch letzte Party vor der Winterpause? Wie auch immer: „Reclaim the Beats“, das coolste Drum&Bass-Fest zwischen Riss und Bodensee und ganz sicher eine der dienstältesten Clubreihen im Douala Ravensburg (seit 2002, #volloldschoolbaby), ist zurück für eine Nacht. Und zwar am Samstag, den 24. September 2016. Mucke? Vorne: Drum&Bass von zart bis hart mit Doppel-L und Mellokat. Hinten: Reggae, Dancehall und Funky Stuff mit der Keep it Real Crew. Yeah.

Reclaim the Beats am 24.09.2016

Reclaim the Beats! am 24.09.2016

Freikartenverlosung auf Facebook.

Party: 14 Jahre Reclaim the Beats!

Flyer RTB 2016-1 Blog

„Reclaim the Beats!“ meldet sich wieder einmal zurück für eine Nacht im Douala. Und zwar 14 Jahre und ein paar zerquetschte Wochen nach der Premiere dieser Clubnacht anno 2002. Also save the date: Samstag, 23. April 2016.

Das Geburtstagsständchen singt mit MC Fava eine Rampensau der internationalen Königsklasse. Der Breisgau-Bomber ist beim führenden Drum&Bass-Label Hospital Records unter Vertrag und repräsentiert die Londoner auf den Bühnen der Welt. An seiner Seite gibt sich die bezaubernde Kanadierin Wadjit erstmals in Ravensburg die Ehre. Als Frontfrau der Radiostation Bassdrive.com serviert sie tausenden Fans weltweit die frischesten Beats.

Mit von der Party sind natürlich auch die Residents Double-L und Mellokat. Und auf dem zweiten Tanzflur heizen Suzzlic Stereo mit ihrer lässigen Mischung aus Reggae und Funky Bass ein.

Happy Birthday, Reclaim the Beats!

13 Jahre „Reclaim the Beats!“

Flyer RTB 2015 Max Romeo
„Reclaim The Beats!“ – die wahrscheinlich berühmteste Drum&Bass-Party zwischen Riss und Bodensee und ganz sicher eine der dienstältesten Clubreihen im Douala – wird 13!

13 Jahre – muss so ein krummes Jubiläum extra gefeiert werden? Wir meinen: unbedingt. Schließlich ist man nun im besten Flegelalter angekommen und sowieso immer noch genauso „on fire“ wie bei der Premiere, damals im Februar 2002. Seit dieser Nacht groovt der Drum&Bass wieder regelmäßig durch den Kultschuppen am Ravensburger Bahndamm. Und wer hat da nicht schon gerockt? Hinz und Kunz standen bei „Reclaim the Beats!“ in all den Jahren in der Douala-Kanzel oder auf der Live-Bühne: vom Weltstar bis zum Dorf-DJ von nebenan.

Und einer aus dieser langen Liste singt dem frisch gebackenen Party-Teenager jetzt das Geburtstagsständchen: Der Engländer MC Mike Romeo, einer der besten und elegantesten seines Fachs, gastiert zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder in Ravensburg und wird am Mikrofon durch den Jubiläumsabend am Samstag, 11. April 2015 führen.

Daneben am Start ist natürlich auch das DJ-Stammpersonal: Double-L und Mellokat vorne, die Reggae-Boys und Festivalhelden der Keep it Real Crew hinten.

Also: Happy Birthday, RTB!

Reclaim the Beats: Großer Sport im Douala

Unser Tipp für heute: Erst ein paar Runden im Bodensee drehen, und dann erfrischt und topfit im Douala bei „Reclaim the Beats!“ auf der Tanzfläche stehen:

RTB Flyer 2014 Juli.

Mit dabei sind diesmal die beliebten Breisgau-Bomber Enea und MC Fava. Smarte Typen und super Entertainer, die in ganz Europa bei Clubs auf der Wunschliste stehen und jetzt endlich mal wieder im Doppelpack zu einem Freundschaftsspiel ins Douala kommen.

Wer da wohl Man of the Match wird? Man kann sich gar nicht entscheiden. Fava, Rampensau, Feierbiest und Traum aller Autogrammjägerinnen, der jede Disko mit seinem Tiki-Taka-Flow in Grund und Boden rockt, dabei zu den Beats der ganz Großen singt und sich jetzt auch das legendäre V Recordings Label hinten aufs Trikot schreiben darf? Oder Italo-Beachboy und Beatalistics-Chef Enea, der einen Sommerhit nach dem anderen raushaut und jüngst mit einer Scheibe auf LTJ Bukems Plattenfirma Good Looking (Junge, Junge!) quasi in die Champions League des Drum&Bass aufgestiegen ist?

Unterstützt werden die beiden bei ihrem Auftritt jedenfalls von unseren Bolzplatz-Haudegen Double-L und Mellokat. Und im hinteren Douala-Floor sorgen die Reggae-Boys und Festival-Helden von der Keep it Real Crew für ebenfalls ganz großen Sport.

Karten sind an der Abendkasse erhältlich. VIP-Tickets gibt es bei der Fifa oder ganz umsonst mit etwas Glück auch hier.

Reclaim the Beats! mit Jaycut

Webflyer RTB Jaycut

„Reclaim the Beats!“, die einzige Drum&Bass-Partyreihe zwischen Riss und Bodensee, geht am morgigen Freitag, 16. Mai 2014 in eine neue Runde. Mit fettem Booking: Jaycut aus Köln ist am Start.

Ja, genau, der war schon mal in der Gegend. Aber lange ist’s her. Und zwar so lange, dass man nicht mal mehr den Flyer ergoogeln kann. Doch ansonsten vergisst das Internet nix und sagt: Es war der 18. Januar 2003, also kurz vor dem ersten Geburtstag von „Reclaim the Beats!“. Aber die Party war nicht im Douala, sie war in der Metro-Groovebox bei „Belowzero“ (R.I.P.).

Als Macher des Online-Magazins drumandbass.de hatten wir Jaycut damals angekündigt. Was immer noch stimmt. Und als guten DJ. Was natürlich auch immer noch stimmt. Was aber damals noch keiner ahnen konnte: Dass er mit dem „Flute Tune“ einmal die Drum&Bass-Party-Hymne schlechthin raushauen würde, die auch im Douala rauf und runter lief und läuft. Und da legt Jaycut nun wirklich zum ersten Mal auf. So sah er übrigens damals aus hinter den Plattenspielern:

J-Cut

Und das ist das offizielle Video vom „Flute Tune“:

Moment, das war’s noch nicht: Auch am Mikrofon gibt sich ein namhafter Gast die Ehre: MC Sinista aus Mannheim.

Kuratiert (ja, das wollte ich immer mal schreiben) und musikalisch unterstützt wird der Abend von den Gastgebern Double-L und Mellokat. Und hinten in der Reggae-Sauna sorgen die Wellness-Rudeboys von Suzzlic Stereo für schweißtreibende Dancehall- und Bass-Musik-Aufgüsse.

Alix Perez – „U“

Der Drum&Bass-Videoclip des Monats stammt (mal wieder) aus dem Hause Exit Records und sorgt für ordentlich Säbelrasseln in der Breakbeat-Bude. Wenn der gute alte photeksche Ninja-Vibe im aktuellen Halfstep-Gewand auf eine Prise Squarepusher-Flavour trifft, und das Ganze noch ein bisschen, aber nicht zu sehr, in Form gebracht wird, kommt wohl sowas dabei raus. Retro-Futurismus pur. Und eine gelungene Hommage an die Neunziger, in denen fast alles ging.

Douala – der ewige Club

Douala 80er

30 Jahre, so alt wird keine Sau, hätte mein Opa gesagt. Und so alt wird normalerweise auch kein Club. Nicht in Berlin und nicht anderswo, und auch nicht in der Pampa. Nur das Douala, dieser abgefuckte Verschlag am Ravensburger Bahndamm, trotzt unverwüstlich allen Naturgesetzen des Nachtlebens und ist immer noch da. Am 9. März 1984 – der VfB Stuttgart stand an der Spitze der Fußball-Bundesliga, die Postleitzahlen waren noch vierstellig und die Fönfrisuren saßen – eröffnete der Laden erstmals seine Türen.

Ich mag ja alt sein. Aber längst nicht alt genug, um die Douala-Anfänge mitbekommen zu haben, damals in den Achtzigern. Hans Nieswandt (From Disco to Disco), DJ, Schreiberling und am Bodensee aufgewachsen,  ist noch älter. Und alt genug, um die Douala-Anfänge mitbekommen zu haben, damals in den Achtzigern – und das auch in seinem sowieso charmant geschriebenen Büchlein „plus minus acht“ zu erwähnen:

„Es war ein Samstag im Frühling 1983 (ha, Druckfehler! Die Red.), im damals gerade neu eröffneten Club Douala in Ravensburg. Ich bekam dafür 200 Mark, was eine Menge Geld war (…). Das Douala war ein smart designter, cocktailesker Club, passend zur Popmusik der Zeit. Ich spielte alles, was amtlich war: Scritti Politti, Indeep, Malcolm McLaren, PigBag, Kurtis Blow, Run DMC, Die Krupps, Konk, Dexya Midnight Runners, Defunkt, Talking Heads, Kid Kreole, Liaisons Dangereuses, Orange Juice, T-Ski Valley, The Clash (die Disco-Phase), Jocelyn Brown, TomTom Club, Heaven 17, ABC… Dazu benutzte ich einen Plattenspieler und ein Tapedeck.“

Tja, und so wie auf dem Reklameplakat (siehe oben) sah es damals in den frühen Clubjahren wohl tatsächlich aus. Als ich selbst – viele Jahre nach Herrn Nieswandt – mein DJ-Debüt im Douala geben durfte, war aus der cocktailesken New-Romantics-Bar ein Techno-Schuppen der Oberklasse geworden. Jeff Mills, Laurent Garnier, Sven Väth. Einfach alle waren da. Vollgas. Daneben war Mitte der Neunziger aber auch der musikalische Mischmasch-Donnerstag ein ziemlicher Place-to-be. Und da, als Vertretung des Resident-DJs, stand ich zum ersten Mal in der Douala-Kanzel. Ob es auch 200 Mark dafür gab, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Aber: Es wäre auch 1995 noch eine Menge Geld gewesen. Gut, für Hans Nieswandt seinerzeit wahrscheinlich bereits nicht mehr so arg, für mich schon.

Douala Wall

Völlig gagenunabhängig gab ich natürlich mein Bestes im ungewohnten Job des Allround-DJs, aber ich glaube, die Leute hätten dann doch lieber ihren alteingesessenen Resident am Ruder gehabt. Wie auch immer. Während ich also Bucketheads, Nightcrawlers, Sens Unik, die Beastie Boys und James Last auflegte (ein stadtbekannter Indianer drückte mir in jener Nacht als Dank für „Happy Brasilia“ kurzerhand zehn Mark in die Hand – auch viel Geld damals), ließ sich ein Mädel im seinerzeit noch größeren Backstage von ihrem Privat-Friseur die Haare richten. Spätestens da wusste ich: Im Douala darf Dich gar nix wundern.

Auch keine Razzia wie jene zur Jahrtausendwende, die kurzzeitige Schließung danach – und das Comeback unter Sicherheitsstufe dunkelrot. 2002 kam dann auch der Drum&Bass zurück ins Douala. Drüben in Konstanz lief gerade die „Basslastic“ so richtig heiß, hier auf der anderen Seeseite war dagegen schon eine ganze Weile so ein bisschen tote Hose in der Sache gewesen. Dabei hatten sich ab 1997 die großen Jungle-Nasen von Ed Rush bis Bailey, von Krust bis Peshay im Douala noch die Klinke in die Hand gegeben. Aber jetzt: Drum&Bass ist tot, Alter, da geht nix mehr. Egal, man kann‘s ja mal probieren, dachte ich. Hei, Johnny, wie wär‘s mal wieder? Ja, mach mal, hieß es. Und dann haben wir das halt so gemacht. Am Anfang nur für den wirklich harten Kern, danach für immer mehr. Und – nach einem kleinen Päuschen in der Saison 2010/11 – machen wir das auch heute noch.

RTB Douala

Der diesjährige „Reclaim the Beats!“-Geburtstag ist zwar im Vergleich zum glamourösen Douala-Jubiläum ein recht krummer, aber zwölf Jahre sind ja schließlich auch nicht schlecht. Pi mal Daumen immerhin fast die Hälfte der Clubhistorie. Insofern sind wir ja auch irgendwie ein kleiner bescheidener Teil des Ganzen. Aber wir feiern erst – Preview – am 12. April 2014. Natürlich im Douala, dem ewigen Club.

Dort, wo Kemistry & Storm in einer kalten Januarnacht 1997 ein magisches Metalheadz-Gastspiel zelebriert und quasi die D&B-Lunte am Bodensee entzündet haben, wo Grandmaster Flash ebenso schon hinter den Decks stand wie zahlreiche Residents, die mit ihren eigenen Partyreihen regelmäßig das Haus rocken. Motto: Fette Beats drinnen, fettige Pommes draußen. Douala-Style, Baby. Oder, wie es im offiziellen Club-Organ heißt:

„Auch im neuen Jahrtausend nach einigen existenziellen Wirren des Clubs (wie auch der Clubscene im allgemeinen) mit dem Alltag niedriger buerokratischer Beweggruende sagen wir allen Nachtmenschen deren Lebensmotto: ‚I wanna rock my life‘ ist, ‚Beweg deinen Arsch mit Hirn und Seele, enjoy innovative Musik-Kultur & rock the 21st Century.’“

Also Happy Birthday, Du alte Hütte.