Lied der Woche: Cassius – I<3 U So (RMX)

Unser Lied der Woche kommt aus dem Hause Skream. Als Mann der Stunde hat er großen Anteil daran, dass Dubstep derzeit steil durch die Decke geht – und das nicht nur im Vereinten Königreich. Sein neuester Geniestreich wurde auf Ed Banger, dem Electro-Überlabel schlechthin, veröffentlicht und lässt sich in drei simplen Worten zusammenfassen: Beats, Bass & Rave! Skreams Remix von Cassius‘ Hit „I <3 U So“ dürfte vielen Club-Kids und auch den alten Rave-Hasen Freudentränen in die Augen treiben, zumindest aber für brennende Dancefloors sorgen.

King of the Beats

Tausendfach gesampelt und trotzdem ewig jung geblieben: Vor 42 Jahren versteckten die Winstons den besten Beat der Welt auf einer B-Seite – den „Amen“.

Bei der Frage „Welchen Beat würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?“ läuft wohl alles auf einen Zweikampf zwischen dem Apache-Break der Incredible Bongo Band und dem Breakbeat-Sample aus dem obigen Stück „Amen, Brother“ der Winstons (ab Minute 1:26) hinaus. Während der Apache sich als genreübergreifende Allzweckwaffe für ein knackiges Beatgerüst unsterblich gemacht und unzähligen Hip-Hop-Tracks bis heute den nötigen Groove gegeben  hat, war der Amen musikhistorisch gesehen wohl der noch größere Geniestreich der beiden. Schließlich gäbe es ohne diese vier Takte aus einer einst völlig unbeachteten 1969er B-Seiten-Nummer keinen Jungle und keinen Drum&Bass, wie wir ihn kennen.
Denn im Grunde sollte jener Rhythmus gut zwei Jahrzehnte nach seiner Aufnahme zur Blaupause für eine ganze Generation von Breakbeat-Tracks werden. Winstons-Drummer Gregory Coleman, der dieses fette Beatmonster ganz alleine aus dem Ärmel geschüttelt hat, hatte damals natürlich noch keinen Schimmer, was der unglaublich kraftvolle Groove seines kurzen Schlagzeugsolos einmal anrichten würde.

In einer gerechten Welt hätte Gregory Coleman ein Denkmal, einen Haufen Kohle oder zumindest einen dieser schmierigen Lifetime-Awards für „Amen, Brother“ bekommen müssen. Aber – das ist die Tragik der Geschichte – nichts von alledem wurde dem guten Mann zuteil. Ein armer Schlucker sei er gewesen, heißt es, als er vor fünf Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Vom späten Ruhm seines Handwerks hat er wie seine Kollegen rein materiell nicht profitiert – ein Eintrag in den Geschichtsbüchern ist im gleichwohl gewiss.

Wer mehr darüber wissen will: Eine ganz interessante Hintergrundgeschichte über den King of the Beats, „diese sechs Sekunden purer Rhythmus“, hat gerade Spiegel Online („Vier Takte für die Ewigkeit“) ins Netz gestellt und dessen ungebrochene Faszination dabei korrekt auf den Punkt gebracht:

„Kein Basslauf, keine Percussion, nichts stört, vier Takte purer Groove. Seine ganze Magie entfaltet der „Amen Break“ aber erst, wenn man ihn in unterschiedlichen Geschwindigkeiten abspielt. Verlangsamt wird der Beat zu einem Kopfnicker – unglaublich massiv und druckvoll. Beschleunigt man die vier Takte, entwickeln sie plötzlich eine schwingende Leichtigkeit, die in die Beine geht. Und dann ist da noch dieser verflixte vierte Takt: Dieses Stolpern, diese gewollte Verzögerung, das Warten der Bass Drum, das mit einem scheppernden Schlag auf das Becken gekrönt wird – es ist eine Konstruktion, in der man sich verlieren kann.“

amen brother