Playlist: DJ Krush – Kemuri

Für unsere Rubrik Playlist kramen wir heute einen Klassiker des Japaners DJ Krush heraus. Unglaubliche 17 Jahre hat das Ding jetzt mittlerweile auch schon auf dem Buckel.

Krush hatte seinerzeit bereits sein selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht, das es allerdings zunächst nur als Japan-Import zu kaufen gab, womit er als Produzent hierzulande noch unter der Kategorie Geheimtipp lief. Sein Durchbruch kam dann mit „Strictly Turntablized“, einem reinen Instrumentalalbum voller Dopebeatz (wie man damals zu sagen pflegte), auf das das Motto seines Labels „Mo‘ Wax“ wie die Faust auf’s Auge passte: „Head Music For Mad Lifted Beat Junkies.“

Als die dazugehörige Maxi-Single – die sich Krush mit Labelkollege DJ Shadow teilen musste – anno 1994 erstmals auf meinem Plattenteller lag und das knisternde Schweigen der Einlaufrille unvermittelt durch einen dermaßen fetten Beat durchbrochen wurde, hatte dieser mich schon nach den ersten Sekunden gepackt. Einer der deepsten und zugleich druckvollsten Kopfnickertunes, die der Japaner je gebastelt hat – und eine Eintagsfliege ist aus ihm ja nun wirklich nicht geworden. Auch heute immer noch zeitlos gut: Kemuri.

kemuri

Lied der Woche: Cassius – I<3 U So (RMX)

Unser Lied der Woche kommt aus dem Hause Skream. Als Mann der Stunde hat er großen Anteil daran, dass Dubstep derzeit steil durch die Decke geht – und das nicht nur im Vereinten Königreich. Sein neuester Geniestreich wurde auf Ed Banger, dem Electro-Überlabel schlechthin, veröffentlicht und lässt sich in drei simplen Worten zusammenfassen: Beats, Bass & Rave! Skreams Remix von Cassius‘ Hit „I <3 U So“ dürfte vielen Club-Kids und auch den alten Rave-Hasen Freudentränen in die Augen treiben, zumindest aber für brennende Dancefloors sorgen.

King of the Beats

Tausendfach gesampelt und trotzdem ewig jung geblieben: Vor 42 Jahren versteckten die Winstons den besten Beat der Welt auf einer B-Seite – den „Amen“.

Bei der Frage „Welchen Beat würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?“ läuft wohl alles auf einen Zweikampf zwischen dem Apache-Break der Incredible Bongo Band und dem Breakbeat-Sample aus dem obigen Stück „Amen, Brother“ der Winstons (ab Minute 1:26) hinaus. Während der Apache sich als genreübergreifende Allzweckwaffe für ein knackiges Beatgerüst unsterblich gemacht und unzähligen Hip-Hop-Tracks bis heute den nötigen Groove gegeben  hat, war der Amen musikhistorisch gesehen wohl der noch größere Geniestreich der beiden. Schließlich gäbe es ohne diese vier Takte aus einer einst völlig unbeachteten 1969er B-Seiten-Nummer keinen Jungle und keinen Drum&Bass, wie wir ihn kennen.
Denn im Grunde sollte jener Rhythmus gut zwei Jahrzehnte nach seiner Aufnahme zur Blaupause für eine ganze Generation von Breakbeat-Tracks werden. Winstons-Drummer Gregory Coleman, der dieses fette Beatmonster ganz alleine aus dem Ärmel geschüttelt hat, hatte damals natürlich noch keinen Schimmer, was der unglaublich kraftvolle Groove seines kurzen Schlagzeugsolos einmal anrichten würde.

In einer gerechten Welt hätte Gregory Coleman ein Denkmal, einen Haufen Kohle oder zumindest einen dieser schmierigen Lifetime-Awards für „Amen, Brother“ bekommen müssen. Aber – das ist die Tragik der Geschichte – nichts von alledem wurde dem guten Mann zuteil. Ein armer Schlucker sei er gewesen, heißt es, als er vor fünf Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Vom späten Ruhm seines Handwerks hat er wie seine Kollegen rein materiell nicht profitiert – ein Eintrag in den Geschichtsbüchern ist im gleichwohl gewiss.

Wer mehr darüber wissen will: Eine ganz interessante Hintergrundgeschichte über den King of the Beats, „diese sechs Sekunden purer Rhythmus“, hat gerade Spiegel Online („Vier Takte für die Ewigkeit“) ins Netz gestellt und dessen ungebrochene Faszination dabei korrekt auf den Punkt gebracht:

„Kein Basslauf, keine Percussion, nichts stört, vier Takte purer Groove. Seine ganze Magie entfaltet der „Amen Break“ aber erst, wenn man ihn in unterschiedlichen Geschwindigkeiten abspielt. Verlangsamt wird der Beat zu einem Kopfnicker – unglaublich massiv und druckvoll. Beschleunigt man die vier Takte, entwickeln sie plötzlich eine schwingende Leichtigkeit, die in die Beine geht. Und dann ist da noch dieser verflixte vierte Takt: Dieses Stolpern, diese gewollte Verzögerung, das Warten der Bass Drum, das mit einem scheppernden Schlag auf das Becken gekrönt wird – es ist eine Konstruktion, in der man sich verlieren kann.“

amen brother

Mixtape: Double-L – Beat it! Vol. 2

Nach seinem letzten Streich hat Douala-DJ Double-L nun die zweite Folge seiner „Beat it!“ Mix-Serie an den Start gebracht. Herausgekommen ist ein weiterer wilder Kraut-und-Rüben-Mischmasch mit Zutaten von Hip Hop über Future Disco, House, Dubstep und Ragga bis zu, tatsächlich, Ace of Base. Außerdem grüßen kräftigt gemashuppt oder geremixed Aloe Blacc und INXS. Yeah! Los geht’s:

Mixtape: Suzzlic Stereos Slackmix


Kürzlich im Douala zugesteckt bekommen: die neue Mix-CD der Reggae-Boys von Suzzlic Stereo. Wer das Ding nicht abgestaubt hat, möge es sich auf Soundcloud reinziehen. Der rote Faden heißt natürlich Ragga, wird aber mit reichlich Hip (P)Hop und sonstigem Artverwandten zu einem ultralässigen und kurzweiligen Sound für zwischendurch verknotet:
 

My Home is my Plattenschrank

Eine meiner Lieblingsrubriken im altehrwürdigen Groove Magazin ist das „Musikzimmer“: Ein Fotograf ist zu Gast bei mehr oder weniger recht bekannten DJs (die meist in superhohen, superaltbaumäßigen, supergroßstädtischen Wohnungen in London, Berlin oder Paris zuhause sind und dort selbstredend einen Haufen Platten, CDs und anderen Musikkram unterzubringen haben) und porträtiert den Platz, an dem Musik gemacht, gehört und archiviert wird.
Von schnieken Designerwohnungen über die klassische Studentenbude mit Fahrradparkplatz in der Wohnung und DJ-Setup Marke Eigenbau bis hin zum sympathisch-chaotischen Musiker-Saustall ist alles mit dabei. Gemeinsam haben viele meist nur das eine: das Expedit von Ikea, das Standardmöbel unter den Tonträgerregalen.
Ein Trend macht sich in Zeiten digitaler Revolution aber auch in den Musikzimmer-Fotoserien bemerkbar: es gibt immer  weniger Platten (nach dem Motto: „Die Sammlung steht im Keller des Elternhauses“) und immer mehr Macs zu sehen.

Eine schöne Galerie derartiger Bilder gibt es übrigens auf einer Musikzimmer-Facebook-Seite.
Edit: Leider wurden offenbar einige Promi-Buden von der Seite wieder entfernt. Egal, ein Blick in die Galerien lohnt sich trotzdem.

Und Dein Zimmer?
Nun interessiert uns natürlich brennend: Wie sieht es bei Euch zuhause aus, liebe Wohnzimmer-DJs, Bedroom-Produzenten und Musikfreaks. Schickt uns eure Bilder und ein paar Zeilen dazu, aber bitte vorher ein bisschen aufräumen: